Auf der Wieden: Wiedner Hauptstraße mit Klimt, Hotel Triest – und Heimweh zu verkaufen


In der Blog-Reihe "Wiener Einkaufsstraßen" möchte ich euch heute gerne die Wiedner Hauptstraße im 4. Bezirk vorstellen. Sie wurde 2024 zur klimafitten Einkaufsstraße umgestaltet - ein wirklich wertvolles Prädikat, auch wenn der volle Umfang erst im Frühling richtig sichtbar wird, wenn alles grünt und blüht. Es gibt nun 1.300 m² neue Grünflächen, zusätzliche Bäume, verbesserte Fahrbahnüberquerungen für uns Fußgänger, mehr Sitzgelegenheiten und natürlich einen baulich getrennten 2-Richtungs-Radweg.

Das waren einige Fakten zu einer der lebendigsten Einkaufsstraßen im 4. Bezirk Wieden, mitten in Wien. Es sind hier Boutiquen, Ethno-Mode, Hutmacher, Geschäfte für Unterwäsche, Lederwaren, Schuhe, Juweliere, Parfümerien, Apotheken, Buchhandlungen, vergolder Werkstätten und noch vieles andere zu finden. Heute möchte ich mich dem Besonderen widmen, das hier zu entdecken ist. 

Ein (vielleicht) spannendes Detail: Im 4. Bezirk (Wieden) wohnt man in Wien nicht "in Wieden", sondern "auf der Wieden" - ein Begriff, der bis ins Jahr 1211 zurückreicht.   

Das beeindruckende Klimt-Mural an der Hauswand


Farbenfrohes Street-Art-Mural von Eduardo Kobra mit Gustav Klimt und Katze an der Wiedner Hauptstraße 78 in Wiens 4. Bezirk Wieden.

Beginnen möchte ich mit einem Kunstwerk auf der Wiedner Hauptstraße. Es ist ein farbenprächtiges Wandbild, das in Wien sehr bekannt ist: Gustav Klimt mit seiner geliebten Katze. Es handelt sich um ein großes Mural vom brasilianischen Street-Art-Künstler Eduardo Kobra, das er 2018 im Rahmen des Calle Libre Festivals geschaffen hat – in Zusammenarbeit mit der Klimt Villa. Kobra hat das berühmte historische Foto von Klimt neu interpretiert und mit seinem typischen, leuchtenden Stil zum Leben erweckt. Ich finde es besonders schön und freue mich immer, es zu sehen, wenn ich hier entlanggehe. Für mich als alte Wienerin ist es herzerwärmend, dass moderne Street-Art hier so respektvoll mit unserem großen Meistern spielt.

Das Triest - Hotel im Freihausviertel Wien 


Historisches Hotel Das Triest, ehemaliger Postkutschenstall, auf der Wiedner Hauptstraße in Wien.

Nur ein paar Schritte weiter – liegt ein weiterer Schatz der Straße: das Hotel Das Triest (heute Radisson Blu Das Triest Hotel). Ursprünglich war es im 18. Jahrhundert ein Stall für die berühmte Postkutschenlinie zwischen Wien und Triest.
1995 wurde es zum ersten echten Design-Hotel Wiens umgewandelt, gestaltet vom britischen Designer Sir Terence Conran. Über die Jahre entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt für Prominente – Stars wie Robbie Williams (der sogar seinen eigenen Cocktail hier hatte!), Lady Gaga, Coldplay, Whitney Houston, Johnny Depp und viele andere internationale und österreichische Berühmtheiten haben hier genächtigt oder in der legendären Silver Bar entspannt.
Vor allem Robbie Williams schätzte die Intimität und Diskretion in der Silver Bar so sehr, dass er den legendären Barchef Djibril Keita sogar backstage zu seinem Konzert in Wien holte und die Bar nachbauen ließ – exklusiv für seine Drinks! Keita, der nie selbst Alkohol trank, aber alles per Nase "schmeckte", kreierte für ihn einen speziellen Drink, der als "Robby-Williams-Drink" bekannt wurde und angeblich fruchtig nach Grapefruit und Cranberry schmeckte. Das genaue Rezept blieb natürlich sein Geheimnis – typisch für einen echten Wiener Gentleman hinter der Bar.

Nach einer längeren Pause und einer umfassenden Renovierung strahlt es seit 2025 wieder in neuem Glanz als Teil der Radisson Blu-Gruppe. Es ist schön das es wieder geöffnet ist, denn es ist ein Stück lebendige Wiener Kultur.

Ein paar weitere schöne Details


 Es sind ja auch die kleinen Dinge, die eine Straße so liebenswert machen.

Charmante alte Tabak Trafik mit türkisem Portal auf der Wiedner Hauptstraße in Wiens 4. Bezirk.
Alte Trafik mit ihrem türkisen Eingang

Frau in Mantel und rosa Beret vor grüner Haustür in einem Eingang auf der Wiedner Hauptstraße in Wien.
Das letzte Winteroutfit für diese Saison

Der bekannte Flora Hof auf der Wiedner Hauptstraße in Wiens Wieden.
Der Flora Hof, secessionistisches Miethaus, erbaut 1901/1902 von Oskar Laske.

Nostalgisches altes Haus mit hellgrünem Eingang auf der Wiedner Hauptstraße in Wien.
Das Hellgrün strahlt Nostalgie und Wärme aus – typisch für die schönen Fassaden auf der Wieden.

Eingang zur Freie Bühne Wieden, Privattheater in der Wiedner Hauptstraße 60b in Wien.
Theater Freie Bühne Wieden 

Ein weiteres kulturelles Juwel ist die Freie Bühne Wieden in der Nr. 60b: Ein kleines Privattheater, 1976 von der Schauspielerin Topsy Küppers gegründet. Das Gebäude hat mittelalterliche Wurzeln – früher war hier ein Kloster. Hier werden Uraufführungen und selten gespielte Stücke gezeigt, in einer sehr intimen Atmosphäre.

Ein paar liebenswerte Läden, die die Wiedner Hauptstraße so einzigartig machen

Witziger Spruch „Frag statt Google gleich die Goldene Kugel“ über dem Portal eines Haushaltswarengeschäfts auf der Wiedner Hauptstraße in Wien.
Haushaltswarengeschäft "Goldene Kugel"

Innovatives Geschäft Zukunftshandlung auf der Wiedner Hauptstraße in Wiens 4. Bezirk.
Zukunftshandlung

Die Zukunftshandlung in der Nr. 60b ist der Nachbarschaftsraum – ein offener Treffpunkt für Ideen, Begegnung und gemeinsames Gestalten. Hier können alle Wiedener:innen kostenlos den Raum nutzen für Projekte wie bargeldloses Tauschen, Gruppentreffen oder nachhaltige Initiativen, solange es die Nachbarschaft stärkt und nicht kommerziell ist. Ein Platz der die Straße lebendiger und verbundener macht.

Geschlossenes Geschäft Heimweh mit Schild „Zu verkaufen“ auf der Wiedner Hauptstraße in Wien – ein lustiger Kontrast.
Heimweh - zu verkaufen

Der Eingang mit dem großen "Heimweh" und darunter "Zu verkaufen" – das hat mich zum Schmunzeln gebracht. Früher ein gemütlicher Concept-Store für kuschelige Textilien aus Vorarlberg, Skandi-Chic und Heimeliges. Nun steht alles still. Heimweh zu verkaufen – na, das wäre doch mal ein echtes Schnäppchen! Wer braucht schon ein Souvenir, wenn man gleich die ganze Sehnsucht mitnehmen kann? *lach Aber im Ernst: Es tut ein bisschen weh, so einen schönen Laden leer zu sehen, und ich hoffe sehr, dass bald wieder etwas Einladendes einzieht.


Bis zum nächsten Mal in meiner Reihe "Wiener Einkaufsstraßen"
liebst, LoveT

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