Manchmal denke ich, Wien hat ein ganz eigenes Talent dafür, uns mit kleinen, unerwarteten Bildern zu überraschen. Nicht immer sind es die großen Sehenswürdigkeiten, die im Gedächtnis bleiben, sondern oft die stillen, bunten oder ein wenig schrägen Details, die einen zum Schmunzeln oder Staunen bringen.
Der Tag fängt an und plötzlich wird man von Schmetterlingsflügel durch die Stadt getragen, die alles leicht und bunt erscheinen lassen.
Von dort trug mich dieser zarte Schwung weiter zu einer Hausfassade, die so strahlend orange
leuchtete, als hätte jemand den ganzen Sonnenuntergang eingefangen, ihn sorgsam an die Wand gepinselt – und ihn dort einfach vergessen. Ein warmer, fröhlicher Farbklecks, der still vor sich hin strahlte und den ganzen Tag ein bisschen bunter machte.
Der leichte Flug führte mich weiter in den verborgenen Wohngarten der ehemaligen Heller-Zuckerlfabrik. Aus der Fabrik, wo früher Zuckerl gekocht und kunstvoll fertiggestellt wurden, ist ein Wiener Mietshaus geworden. Aus alten Mauern wurde ein Ort, an dem wieder Leben und Farbe eingezogen ist – fast so, als hätte die Kreativität der Heller-Familie einen kleinen Teil ihres Zaubers zurückgelassen.
Meine Flügel trugen mich weiter zu dem sogenannten Vogelhaus in der Geiselbergstraße. Ein Haus, das Zeitungen gerne als eines der hässlichsten Mietshäuser Wiens bezeichnen. Für mich aber hat es eine ganz eigene, stille Ausstrahlung: Jedes Wohnzimmer streckt einen kleinen Erker heraus, von außen sehen sie aus wie viele kleine Vogelhäuschen. Die ganze Fassade ist übersät mit diesen kleinen Nestern - als hätte das Haus selbst beschlossen, seine Bewohner sanft zu umfangen und ein wenig höher über der Straße zu tragen.
Zum Schluss ruft mir ein buntes Graffiti zu. In leuchtenden Farben stand dort frech und groß: "Leben am Limit". Mitten in unserer gemütlichen Stadt wirkt dieser Satz fast ein bisschen rebellisch. Er hat mich zu diesem Gedanken gebracht: Vielleicht braucht unser Leben ab und zu genau solche bunten, mutigen Tupfer, damit es nicht zu brav und gemütlich wird.
Es sind diese leichten, verrückten und farbenfrohen Augenblicke – mal mit Flügeln auf dem Rücken, mal mit Vogelnestern, in denen Menschen wohnen, oder einem frechen Spruch an der Wand –, die Wien für mich so liebenswert und lebendig machen. In nunmehr 60 Jahren ist mir diese Stadt nie langweilig geworden. Noch immer freue ich mich wie ein Kind, wenn meine Stadt mich auf solche Weise anlächelt und ein bisschen durch die Luft trägt.
liebst, eure LoveT
The butterfly photo is fantastic!!
AntwortenLöschenThe Birdhouse is very interesting.
Have a great week!!
ein gaanz zauberhafter Text der mich beim anklicken dieses Posts anlächelt und mir selbiges erfreut auf die Lippen bringt.
AntwortenLöschenso eine zarte helle leuchtende Lyrik habe ich bisher noch nicht bei dir liebe Love T gelesen und danke dir herzlich dafür, sie ist wie ein extra Osterschenk das leuchtet bunt und fröhlich zart nun in meinem Kopf herum und bleibt haften...
ganz liebe Grüße zu dir... angel..